Grotius und das Völkerrecht Im heute üblichen Sprachgebrauch werden die Begriffe „Völkerrecht” bzw. „allgemeines internationales Recht” synonym gebraucht. Gemeint ist der vielgliedrige Komplex von Verträgen und Abkommen zur Regelung von Beziehungen zwischen Staaten untereinander und zwischen Staaten und anderen Mitgliedern der internationalen Gemeinschaft. Grotius war als Jurist und Diplomat der Vater des Völkerrechts. Als die christliche Kirche in Europa nach der Reformation gespalten war, vertrat Grotius die Ansicht, dass Gesetze nicht Ausdruck göttlicher Gerechtigkeit seien, sondern die Frucht menschlicher Vernunft. Recht solle nicht aus einer Handlung vorausgehend gelten, sondern als Folge der Handlung. Man suchte damals nach einem neuen gemeinschaftsstiftenden Prinzip für internationale Beziehungen. Das Völkerrecht sollte es bereitstellen. In seinem Buch De jure belli ac pacis (Über das Recht des Krieges und des Friedens) stellt Grotius Regeln auf, die zu den solidesten Grundlagen des Kriegsrechts gehören. |