Frage 3:
Welche Ursprünge hat das HVR?

Zur Beantwortung dieser Frage müssen wir weitere Fragen stellen:

Welches Recht galt für bewaffnete Konflikte vor der Aufstellung des heutigen humanitären Völkerrechts?
Zunächst gab es zur Regelung bewaffneter Konflikte ungeschriebene Bestimmungen auf der Grundlage von Sitten und Gebräuchen. Dann traten allmählich bilaterale, jedoch in unterschiedlich detaillierter Form aufgesetzte Verträge (Kartelle) in Kraft. Manchmal ratifizierten die Kriegsparteien sie erst nach dem Ende der Gefechte. Außerdem gab es vom Staat erlassene Anweisungen an seine Truppen (siehe Zusatzinfo: Lieber Code) . Die Anwendbarkeit der Bestimmungen, die früher bewaffnete Konflikte regelten, war also sowohl zeitlich als auch räumlich beschränkt, insofern diese sich lediglich auf eine Schlacht oder einen bestimmten Konflikt bezogen. Außerdem änderten sie sich je nach Epoche, Raum, Sitte und Kultur.

Wer waren die Vorboten des zeitgenössischen humanitären Völkerrechts? Zwei Männer spielten eine wesentliche Rolle: Henry Dunant und Guillaume-Henri Dufour. Dunant formulierte die Idee in der 1862 veröffentlichten Schrift Eine Erinnerung an Solferino. Aufgerüttelt durch eigene Kriegserfahrung bot General Dufour unverzüglich seine aktive Unterstützung an, insbesondere indem er den Vorsitz der Diplomatischen Konferenz von 1864 übernahm. Dunant: „Wäre es nicht wünschenswert, dass die hohen Generäle verschiedener Nationen, wenn sie gelegentlich zusammentreffen, diese Art von Kongress dazu benutzen, irgendeine internationale rechtsverbindliche und allgemein hoch gehaltene Übereinkunft zu treffen, die, wen sie erst festgelegt und unterzeichnet ist, als Grundlage dienen könnte zur Gründung von Hilfsgesellschaften für Verwundete in den verschiedenen Ländern Europas?” Dufour (an Dunant): „Authentische Beispiele, wie Sie sie mitteilten, zwingen uns zu erkennen, welches Übermaß an Leid und Tränen die Glorie des Schlachtfeldes hervorbringt.”

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