Frage 9:
Wie passt sich das HVR an neue Entwicklungen an,
und welche Rolle spielt das IKRK bei diesem Prozess?

Das humanitäre Völkerrecht wird von den Staaten durch Kodifizierung oder durch die Staatenpraxis fortentwickelt. Gewöhnlich überschneiden sich diese beiden Prozesse.

Eine weitverbreitete Staatenpraxis kann Völkergewohnheitsrecht hervorbringen. Auch die Staatenpraxis kann, manchmal kombiniert mit den Tätigkeiten nichtstaatlicher Organisationen (NGOs), zur Kodifizierung von Völkerrecht führen. Die Kodifizierung erfolgt durch Verträge wie Übereinkommen, Übereinkünfte, Protokolle oder Pakte. So hatten eine Reihe Staaten bereits nationale Gesetze erlassen, die den Einsatz von Antipersonenminen implizit oder explizit verboten, obgleich diese Praxis nicht weit verbreitet und deshalb noch nicht zu einer Regel des Gewohnheitsrechts geworden war. 1997 wurde eine Konferenz einberufen, auf der ein Übereinkommen ausgearbeitet wurde, das den Einsatz, die Lagerung, die Herstellung und die Weitergabe von Antipersonenminen für alle Staaten, welche den Vertrag ratifizieren, verbietet.

Die Rolle des IKRK bei der Fortentwicklung des humanitären Völkerrechts besteht darin:

  • die Veränderung der Natur der bewaffneten Konflikte zu verfolgen;
  • Beratungen, die der Ermittlung von Möglichkeiten zur Erzielung einer Einigung über neue Regelungen dienen, zu organisieren;
  • Textentwürfe zur Vorlage auf diplomatischen Konferenzen vorzubereiten.
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